Introduction

Coworking – Eine Chance für new work im ländlichen Raum

Coworking – Eine Chance für new work im ländlichen Raum

Könnt Ihr Euch im ländlichen Raum einen Coworking Space vorstellen? Einen was? Einen Coworking Space. Das ist ein Ort, an dem Gründerinnen, Selbständige, Freiberufler und Mitarbeitende verschiedener Unternehmen zum Arbeiten zusammen kommen?

Einen solchen Ort zu entwickeln, beabsichtigt eine neue Initiative in Heilbad Heiligenstadt im Eichsfeld. Obwohl der Raum immer noch eine Baustelle ist, haben mich die Akteure eingeladen und wir haben über das Projekt und die Herausforderungen vor Ort gesprochen.

Quelle: Coworking Eichsfeld e. V.

Was ist Coworking?

Coworking sind gar nicht so neu. Gerade in den großen städtischen Zentren etablieren sich seit Jahren Orte, an denen Menschen einen Schreibtisch oder einen Büroraum anmieten können. Meist sind es Gründerinnen, Startup-Teams, Freiberuflerinnen und Freiberufler, oder auch Menschen, die für Unternehmen im Aussendienst arbeiten und sowieso jeden Tag in einer anderen Stadt sind. Auf der einen Seite geht es um den Schreibtisch, um einen funktionierenden Drucker, W-LAN und Strom aber vor allem auch um die Kaffeemaschine, die Gemeinschaftsküche und die Chancen mit den anderen Co-Workern in den Austausch zu kommen.
 
In der Pandemie boten einige Spaces auch die Chance für Unternehmen, ihre Bürobesetzung zu entzerren. Gerade unter der Überschrift „New Work“ sind dezentrale Büroräume in Coworking-Spaces statt Großraumbüro am Unternehmensstandort immer wieder im Gespräch für all jene Mitarbeitenden, die nicht zwingend vor Ort sein müssen. Immer mehr Unternehmen nutzen solche Möglichkeiten und setzengroßes Vertrauen in ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mitgründer der Initiative Coworking Eichsfeld arbeitet zum Beispiel für ein Berliner IT-Unternehmen. Sein Büro ist in Heiligenstadt und bald steht sein Schreibtisch im Coworking-Space.

 

Zurück nach Hause

Der Coworking Eichsfeld e. V. möchte den besten Arbeitsplatz in der Region aufbauen. Die Gründer rund um Claudio Garcia richten sich mit ihrem Angebot vor allem an Rückkehrer, wie sie selbst es sind. Wie viele andere haben sie nach der Schule das Eichsfeld, den ländlichen Raum verlassen, um in den größeren Städten zu studieren und die Welt zu sehen. Sie haben für unterschiedliche Unternehmen gearbeitet, teilweise eigene Unternehmen gegründet und kommen nun wieder zurück in die Heimat. Manchmal sind Familiengründung und die Nähe zur Verwandtschaft der Grund für die Rückkehr und manchmal auch einfach nur ein kleines bisschen Heimweh. Das Flair, die Aktivität und die Möglichkeiten der großen Städte wollen sie aber nicht missen. Vor allem wollen sie auch weiterhin auf Menschen treffen, die Lust auf Eigeninitiative haben und in der Region was bewegen wollen.

Coworking im Eichsfeld – wie sinnvoll ist das denn?

Und deshalb ergibt aus Sicht von Claudio Garcia ein Coworking-Space im ländlichen Raum total Sinn. „Im ländlichen Raum leben viele Menschen, die entweder von überall arbeiten können oder solche, die am Ende mehrere Stunden am Tag auf der Straße sind, um zur Arbeit und wieder nach Hause zu pendeln. Gerade im Zusammenhang mit der Diskussion um Umweltschutz und Mobilität wird das Thema Homeoffice eine größere Rolle spielen.“ Und da bringt so ein Ort wie das Coworking Eichsfeld in der alten Druckerei klare Vorteile. Nicht jeder hat zu Hause ein anständigen Arbeitsplatz und dann ist da ja auch noch das Gespräch an der Kaffeemaschine und der Austausch mit anderen Menschen, was einem alleine im Home-Office durchaus fehlen kann.

Für Gründerinnen und Gründer sind Coworking Spaces schon lange ein natürlicher Anlaufpunkt. Oft genug fühlt man sich bei einer Gründung einsam. Im Coworking Space finden Gründerinnen und Gründer gegebenenfalls Mitstreiter, Mentoren oder einfach Kollegen und Freunde, die bei der einen oder anderen Ideenkrise helfen können. Die besten Ideen werden im Gespräch geboren, wenn man die Möglichkeit hat das eigene Problem von einer anderer Perspektive zu betrachten.

Die alte Druckerei in Heiligenstadt

Eine alte Fotografie der Druckerei in Heiligenstadt

Beim Coworking Eichsfeld e.V. sind genau die richtigen Menschen aufeinander getroffen. Die einen, das Ehepaar Simon, hatten gerade die wunderschöne Immobilie der alten Druckerei erworben und restauriert. Und Claudio Garcia und seine Frauen wollten einen Arbeitsort in Heiligenstadt schaffen. Gesucht und gefunden, gründen sie mit weiteren Interessierten im Mai 2021 den Verein Coworking Eichsfeld e.V. Gemeinsam entwickeln sie das Space von Grund auf und hoffen, im März eröffnen zu können. Das Gebäude der alten Druckerei ist im Stadtzentrum, gar nicht weit vom Bahnhof. Es ist barrierefrei und die Stromversorgung kommt zu 100% aus erneuerbaren Energien.

Miteinander die Region voranbringen

Aber der Verein schafft nicht nur einen Arbeitsort. Sie wollen den Status-Quo in der Region Nordthüringen verändern. Ziel ist es, eine Kultur des Miteinanders zu schaffen, und so die Potenziale der Region zu erschließen und zu stärken.

Quelle: https://www.coworking-eic.de/der-verein

Sandra Simon links und Claudio Garcia rechts neben mir

Das war nicht mein letzter Besuch im Coworking Eichsfeld. Das weiß ich schon. Vielen Dank für das großartige, inspirierende Gespräch, in dem es nicht nur um Coworking ging. Auf ein baldiges Wiedersehen bei der Eröffnung. 

 

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